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Monday, March 9, 2009

Konferenz der Klima-Blinden

Es ist angeblich die größte Konferenz der Leugner des Klimawandels, die es jemals gegeben hat. Auf der Gästeliste stehen unter anderem ein berühmter Hurricane-Forscher, ein Astronaut im Ruhestand und der aktuelle Präsident der europäischen Union - Vaclav Klaus aus Tschechien.

Der Titel der Konferenz, die derzeit in New York stattfindet: Globale Erwärmung - gab es jemals diese Krise?. Der Zweck der Veranstaltung ist es, den schwelenden Konflikt mit der überwältigenden Mehrheit der betroffenen Forschergemeinde eskalieren zu lassen. Und so klingt denn die Ansprache des tschechischen Präsidenten so ähnlich wie die Aufforderung zu einem Krieg der ungleichen Argumente: Er vergleicht die Macht der Umwelt-Aktivisten innerhalb der Politik der europäischen Union mit dem Regime des Kommunismus in Osteuropa zu Zeiten des eisernen Vorhangs.

Die Ziele der aktuellen umweltfreundlichen Politik vermutet der Euroskeptiker Klaus nicht etwa im Kampf gegen den globalen Temperaturanstieg, sondern vielmehr in dem Wunsch die wirtschaftliche und technologische Entwicklung Europas um "mehrere Jahrhunderte" zurückzudrehen. Traurig ist Klaus über die Tatsache, dass er sich in einem Meer aus Alarmisten und radikalen Umweltschützern auf relativ einsamem Posten wähnt.

Aber es wäre ein Trugschluss zu glauben, dass eine solche Meinung auf einsamem Posten keinen Schaden anrichten könnte: Umweltschützer argumentieren, dass die Leugnung des Klimawandels - obwohl sie nur eine Minderheitsmeinung darstellt - die Handlungsfähigkeit in Richtung einer nachhaltigen und wirksamen Umweltpolitik stark einschränkt. Die Strategie lautet vereinfacht: Zweifel säen.

Die Mittel für diese Strategie sind nicht bescheiden: Die Lobby, die in Washington gegen den Klimaschutz Sturm läuft war 2008 etwa 2430 Mitarbeiter stark. 15% aller in Washington akkreditierten Lobbyisten kämpfen gegen die Verabschiedung eines Gesetztes zur Verminderung des CO²-Ausstoßes durch den amerikanischen Kongress.

Der Erfolg der Klima-Blindheits-Kampagne ist ebenfalls beachtlich: Zwar glauben inzwischen 58% der Amerikaner an einen durch Menschen verursachten Klimawandel. Doch nur ein kleiner Anteil dieser Menschen glaubt an die Notwendigkeit, möglichst rasch und umfassend zu handeln. Die Bezeichnung des Klimawandels als "globalem" statt "lokalem" Problem lässt viele nicht die direkte Implikation des Problems auf das eigene Umfeld erkennen. Die Rede von "zukünftigen" Problemen durch den Klimawandel lässt zudem Trugschluss zu, es wäre noch Zeit bevor die Welt ernsthafte Konsequenzen zu tragen hat: Ein Problem einer zukünftigen Generation, nicht der eigenen.

Klimablindheit ist also kein Randphänomen, sondern unterschwellig noch bei zu vielen von uns diagnostizierbar. Bei Europäern übrigens genauso wie bei Amerikanern.

> Mehr Informationen zum Thema gibt es auf Desmogblog.

Bilder: Ausgetrocknetes Flussbett im Krüger Natl. Park in Südafrika, Sturm in der Nordsee bei Dieppe. (eigene Bilder)

Quelle: The Guardian, 9. März 2009

Saturday, January 31, 2009

Ein Windfang gegen Gletscherschmelze


Im Rahmen einer Projektstudie des geographischen Instituts der Uni Mainz, wurde für den Rhonegletscher ein "Windfang" entwickelt und probeweise aufgebaut. Ziel der Unternehmung war es, Wege aufzuzeigen, wie der Rückgang der Alpengletscher, speziell in der Sommerzeit verlangsamt werden könnte. Nun gibt es einen Film zum Projekt.

Viele Alpengletscher sind derzeit von einem dramatischen Abschmelzen betroffen. Seit Jahrzehnten ist die jährliche Massenbilanz fast aller Alpengletscher negativ, mit weiter steigender Tendenz. Geht die Klimaerwärmung unvermindert weiter, wird es in 80-100 Jahren keine Alpengletscher mehr geben, so die Prognosen. Dies hätte nicht nur enorme ökologische, soziale und wirtschaftliche Auswirkungen für die unmittelbare Umgebung, sondern auch für ganz Europa: u.a. auf die Energieerzeugung, die Schiffbarkeit der großen Flüsse Rhein und Rhône durch Niedrigwasser (insbesondere im Sommer) aufgrund der fehlenden Wasserspeicher in den Alpen, Hochwassergefahr mit sehr kurzen Vorwarnzeiten, Rückgang der Trinkwasserreserven und Einschränkung der Trinkwassergewinnung entlang der großen Flüsse, auf die Flora und Fauna sowie auch auf den für die Alpenregion ökonomisch wichtigen Sommer- und Wintertourismus.

Unter der Leitung von Professor Dr. Hans Joachim Fuchs entstand nun das Projekt eines Windfangs, der das Abschmelzen des Rhonegletschers nachweißlich abschwächen sollte. Dieser Windfang wurde darauf angelegt, die katabischen Winde (kalte Fallwinde), die pulsierend über den Gletscher ins Tal hinab fließen auf dem Gletscher aufzufangen und dort einen Kaltluftsee mit Kühlwirkung entstehen zu lassen.

In Zusammenarbeit mit Architekturstudenten und einem Ingenieur-Büro wurde die Konstruktion des Windfangs entwickelt. Vorbereitende Tests an kleindimensionalen Modellen brachten erste Anhaltspunkte über die Wirksamkeit des Projekts. Nach der Installation der Struktur aus Stahlstreben und Planen wurden an verschiedenen Punkten auf dem Gletscher Klimamessungen vorgenommen und anschließend die Ergebnisse ausgewertet.
Fazit: Der Windfang hat einen Effekt - Die Temperaturen im Windfang haben nachts im Schnitt 1,5 bis 2 Grad, in der Spitze sogar bis zu 3 Grad Celsius tiefer gelegen als außerhalb des Windfangs. Eine mindernde Wirkung auf die Schmelze wird vermutet, konnte aber aus technischen Gründen nicht nachgewiesen werden.

In allen Stadien des Projektes waren Studenten der Mainzer und der Karlsruher Universität beteiligt. Sämtliche Ergebnisse lassen sich auch auf der Homepage des Projekts betrachten. Gleichzeitig erzeugte das Projekt auf dem Gletscher ein gewisses Medieninteresse, so hat der SWR einen Film über das Projekt gedreht:

Die Film-Premiere im Frankfurter Hof findet am Sonntag, 8. Februar 2009 um 17 Uhr statt. Der Eintritt ist frei. Im Anschluss an den Film besteht Gelegenheit zu informellen Gesprächen mit den Beteiligten der Projektstudie.

Das ZDF-Umweltmagazin wird am Sonntag, 1. Februar 2009, um 13.15 Uhr einen Beitrag vom Gletscher-Projekt der Mainzer Geographen als Aufmacher seiner Sendung zeigen.

Quellen: Internetseite der Projektstudie, Informationsdienst Wissenschaft