Es ist angeblich die größte Konferenz der Leugner des Klimawandels, die es jemals gegeben hat. Auf der Gästeliste stehen unter anderem ein berühmter Hurricane-Forscher, ein Astronaut im Ruhestand und der aktuelle Präsident der europäischen Union - Vaclav Klaus aus Tschechien.
Der Titel der Konferenz, die derzeit in New York stattfindet: Globale Erwärmung - gab es jemals diese Krise?. Der Zweck der Veranstaltung ist es, den schwelenden Konflikt mit der überwältigenden Mehrheit der betroffenen Forschergemeinde eskalieren zu lassen. Und so klingt denn die Ansprache des tschechischen Präsidenten so ähnlich wie die Aufforderung zu einem Krieg der ungleichen Argumente: Er vergleicht die Macht der Umwelt-Aktivisten innerhalb der Politik der europäischen Union mit dem Regime des Kommunismus in Osteuropa zu Zeiten des eisernen Vorhangs.
Die Ziele der aktuellen umweltfreundlichen Politik vermutet der Euroskeptiker Klaus nicht etwa im Kampf gegen den globalen Temperaturanstieg, sondern vielmehr in dem Wunsch die wirtschaftliche und technologische Entwicklung Europas um "mehrere Jahrhunderte" zurückzudrehen. Traurig ist Klaus über die Tatsache, dass er sich in einem Meer aus Alarmisten und radikalen Umweltschützern auf relativ einsamem Posten wähnt.
Aber es wäre ein Trugschluss zu glauben, dass eine solche Meinung auf einsamem Posten keinen Schaden anrichten könnte: Umweltschützer argumentieren, dass die Leugnung des Klimawandels - obwohl sie nur eine Minderheitsmeinung darstellt - die Handlungsfähigkeit in Richtung einer nachhaltigen und wirksamen Umweltpolitik stark einschränkt. Die Strategie lautet vereinfacht: Zweifel säen.
Die Mittel für diese Strategie sind nicht bescheiden: Die Lobby, die in Washington gegen den Klimaschutz Sturm läuft war 2008 etwa 2430 Mitarbeiter stark. 15% aller in Washington akkreditierten Lobbyisten kämpfen gegen die Verabschiedung eines Gesetztes zur Verminderung des CO²-Ausstoßes durch den amerikanischen Kongress.
Der Erfolg der Klima-Blindheits-Kampagne ist ebenfalls beachtlich: Zwar glauben inzwischen 58% der Amerikaner an einen durch Menschen verursachten Klimawandel. Doch nur ein kleiner Anteil dieser Menschen glaubt an die Notwendigkeit, möglichst rasch und umfassend zu handeln. Die Bezeichnung des Klimawandels als "globalem" statt "lokalem" Problem lässt viele nicht die direkte Implikation des Problems auf das eigene Umfeld erkennen. Die Rede von "zukünftigen" Problemen durch den Klimawandel lässt zudem Trugschluss zu, es wäre noch Zeit bevor die Welt ernsthafte Konsequenzen zu tragen hat: Ein Problem einer zukünftigen Generation, nicht der eigenen.
Klimablindheit ist also kein Randphänomen, sondern unterschwellig noch bei zu vielen von uns diagnostizierbar. Bei Europäern übrigens genauso wie bei Amerikanern.
Bilder: Ausgetrocknetes Flussbett im Krüger Natl. Park in Südafrika, Sturm in der Nordsee bei Dieppe. (eigene Bilder)
Quelle: The Guardian, 9. März 2009


