MARI

Saturday, March 7, 2009

Bankdirektor Leonard Abess verschenkt 60 Millionen Dollar

Ein Kommentar von Steffen Hirth



„In Zeiten der Finanzkrise haben Banker einen schwierigen Stand - Habgier und Verantwortungs-losigkeit werden ihnen zugeschrieben. Dass nicht alle diesem Bild entsprechen beweist Leonard Abess. Der Bank-Direktor aus Miami verschenkte 60 Millionen Dollar an seine Mitarbeiter.“





So titelte kürzlich die Tagesschau. Im ersten Moment mag man die Story - so erging es mir - kaum glauben. Dank der Großzügigkeit dieses Bankdirektors scheint den Angestellten endlich Gerechtigkeit zu wiederfahren. In der Tat hat man es hier mit großen Summen zu tun: Von den 399 Angestellten und 72 Ehemaligen bekamen jeder mehrere zehntausend US-Dollar, einige sogar über hunderttausend (wenn man die Summe gleichmäßig unter den 471 Personen aufteilen würde, stünde jedem etwas mehr als 127 000 Dollar zu).



Auf den zweiten Blick allerdings relativiert sich die Story, die Abess sogar öffentlichen Applaus von Barack Obama und dem gesamten US-Kongress einbrachte, obwohl er - das muss man fairerweise anmerken - die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit nicht gesucht hatte. Die finanziellen Überschüsse stammten jedenfalls vom Verkauf eines Großteils seiner Bankanteile an die spanische Caja Madrid, wodurch er 930 Millionen Dollar einnahm.

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Wenn man diese Relation auf die Maßstäbe eines Normalsterblichen herunterrechnet, könnte man sich zur Veranschaulichung in etwa dieses Beispiel denken: Ich, Student, mitte zwanzig, käme kurzfristig an 1000€ und überlege was ich damit tun kann. Wie Studenten nunmal sind, wollen sie natürlich zuerst einmal richtig schön feiern gehen. Ich würde also meine Freunde einladen, um einen schönen Abend in einer Bar oder einem Restaurant zu verbringen, was natürlich auf meine Rechnung ginge. Das ganze würde mich etwa 60€ kosten, was für meine Verhältnisse viel wäre, aber schließlich blieben mir ja noch immer satte 940€ für was auch immer.





Wenn man die geschilderte Situation auf die Reaktion der Bankangestellten bezieht, müssten meine Freunde mir in Tränen um den Hals fallen, während neben uns die Reporter der Allgemeinen Zeitung oder der Rheinzeitung wie wild Fotos schießen und nach einem Interview mit mir lechzen würden, nur weil ich essen und Cocktails spendiert hätte.



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Wie fast alles auf der Welt, ist also auch dieses vorbildliche Handeln des Bankdirektors relativ zu sehen. Hätte er übrigens die 930 Millionen unter den 471 Personen aufgeteilt, bekäme jeder fast 2 Millionen Dollar. Wirtschaftlich gesehen, wäre das natürlich Unsinn. Sinnvoller wäre es zum Beispiel die Arbeitsplätze an der Bank zu schützen, indem finanzielle Rücklagen einbehalten würden.



In jedem Fall aber wird klar, warum es ihm sehr leicht fällt soviel Geld abzugeben: weil er noch sehr viel mehr davon hat. Es erinnert an die Geschichte vom Manager, der in Zeiten der Krise bereit ist, sein Gehalt zu halbieren: Statt zehn Millionen pro Jahr, gibt er sich mit fünf Millionen ab - wie sparsam! Wenn ich mein Gehalt bei "Ihr Platz" von knapp über 6€ pro Stunde halbieren würde, hätte ich statt 350€ nur noch 175€ monatlich auf dem Konto - das wäre großzügig! Ist es nicht unsere Gesellschaft die in Schieflage steht? Sollten Menschen als Privatpersonen überhaupt soviel Geld und damit Macht besitzen dürfen?



Nur zur Info: Laut dem World Wealth Report von Capgemini gab es 2007 weltweit knapp über 10 Millionen Privatpersonen, die über mehr als 1 Million Dollar verfügen. Bei einer Weltbevölkerung von 6,7 Milliarden macht das 0,15% der Bevölkerung aus. Diese Dollarmillionäre oder HNWI's (high net worth individuals) besaßen 2007 zusammen 40,7 Billionen Dollar oder, komplett ausgeschrieben: 40 700 000 000 000, bzw. 40 700 Milliarden.



Zum Vergleich: Die offizielle Entwicklungshilfe der Industrieländer betrug im Jahr 2004 nur 79 Milliarden Dollar. (Quelle: OECD, zitiert aus Agenda21-Treffpunkt). Die längliche Grafik versucht zu veranschaulichen, wie groß die Kluft ist zwischen dem, was die Reichsten besitzen und dem was den Ärmsten zugestanden wird (leider musste die Grafik dreigeteilt werden, da man so lange Bilder nicht hochladen kann). Für den Normalsterblichen ist die Relation wohl in etwa so: Wir stecken bis zum Hals in einem Berg aus Brot und werfen den Hungrigen ein paar Krümel hin.







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